Campen oder Überleben in der Wildnis

Campen oder .....

Wir standen vor einer Herausforderung der etwas anderen Art: Wir sollten den Sommer über ans Meer! Zusatz: mit Selbstversorgung! Hotel adé!

 

Unser „Großer“ ist Allergiker. Auf Vieles. Neuerdings auch auf Weizen. Und da sich das zusätzlich auch auf der Haut äußert, galt als Empfehlung der weißen Zunft, den Sommer über am Meer zu verbringen, in der Hoffnung, zumindest diese Hautirritation in den Griff zu kriegen.

 

Gut, also in kein Hotel!  Da wir nicht schon vor 2 Jahren gebucht haben und es somit kein verfügbares Apartment an der oberen Adria gibt, hieß unser To Do: CAMPEN

Die Entscheidung zwischen Wohnmobil und Wohnwagen war schnell getroffen:

Die Tatsache, dass ich mit campen keinerlei Erfahrung hatte, ich das Wort Urlaub gerne mit uns bekannten Hotelnamen in Verbindung bringe und mir nicht vorstellen kann, die nächsten 20 Jahre am Campingplatz zu verbringen, ergab beim ersten Preisvergleich schon ein pro-Wohnwagen. Die Auswahl des Standplatzes war ebenso schnell erledigt - Wasser- und Strom am Platz, Abfluss und Meer 1 - also freie Sicht ins Blaue - das was noch frei war, wurde für das verlängerte Wochenende gebucht, um das Domizil kennenzulernen, mit dem Plan, an Ort und Stelle für die gesamten Sommerferien zu buchen.

Unser Familien-Oberhaupt erzählte uns traumhafte Kindheitserinnerungen vom Campen von vor 30 Jahren und schmälerte damit, zumindest im Vorfeld, meine schlimmsten Befürchtungen. Er erklärte mir im Schnellverfahren die wichtigsten Regeln, die es zu beachten galt. Das Packen gestaltete sich anders, einfach ausgedrückt. Was soll auch schon schwierig dabei sein? Man muss ans Gewicht denken, gleich wie beim Fliegen. Bei näherer Betrachtung war es dann doch denkintensiv. Von meinem Zero-Waste-Gedanken musste ich mich noch vor dem Einräumen den ungetümen Monsters verabschieden, das Gewicht meiner Glasverpackungen hätte jede Grenze des Erlaubten überschritten. Schuhe? Für jedes mitreisende Familienmitglied 2 Paar! Also: welche Schuhe passen am Besten zu den meisten zusammengestellten Outifts?....Warum ich mir diese Überlegungen hätte sparen können, erzähle ich ein anderes Mal. Angekommen sind wir dann in Sistiana, direkt neben Porto Piccolo, nahe Triest. Ein kleiner Campingplatz, keine, zumindest auf den ersten Blick merkbare 24 Stunden Animation für jede Altersgruppe, netter, großer Standplatz mit schönem Blick aufs Meer - Kurzurlaub LOS! Zuerst wird einmal alles Mitgebrachte ausgepackt und aufgebaut:  die Eingangsmatte, die Gartenmöbel, die Outdoor-Küche, das Vordach, Wasser und Strom anschließen, Wäscheständer aufbauen, Betten beziehen, alle verfügbaren elektronischen und auf der Fahrt leergespielten Akkus werden angeschlossen. Der Große beschließt, dass er nicht im Wohnwagen schlafen möchte, sondern im mitgebrachten Wurfzelt! Er überrascht uns mit seiner Aussage: „Wenn schon Wildnis, dann richtig – ich schlafe im Zelt.“  (Im kommenden Sommer wird er dann wahrscheinlich mit Speer bewaffnet auf Jagd gehen.)

 ...und dann endlich: hinsetzen, Ausblick genießen und bei einem guten Prosecco von den Strapazen erholen, während der Große auf dem mitgebrachten Hoover-Board einmal die unmittelbare Gegend erkundet und der Kleinere das neue Sandspielzeug einweiht. Sobald die ersten Sonnenstrahlen zu erblicken waren, zogen unsere Nachkömmlinge meinen Mann gleich Richtung gesichteten Pool - dringende Abkühlung; in Vorfreude auf meine Erholungsstunde legte ich mich mit einem guten Buch aufs mitgebrachte Campingbett. Bei uns zu Hause werden die Gartenmöbel einmal jährlich von meinem Göttergatten mit Öl bepinselt und nach der Blütenstaubsaison abgewischt; da wird Nichts ab- oder aufgebaut, vielleicht im Winter mit einer Husse überzogen, aber es wird Nichts hin- und hergetragen oder zusammengeklappt und schon gar nicht von mir. Wir haben da eine relativ klare Aufteilung, ich im Haus, mein Mann außer Haus. Jedenfalls, kaum aufs neue Campingbett gelegt, ist meine Rasselbande schon wieder im Anmarsch! “Mama, wir dürfen nicht ins Pool - das Wachorgan Poolmanager hat uns belehrt, dass man hier eine Badehaube benötigt, um in den Poolbereich gelassen zu werden. Und das Whirl-pool darf zwar ohne Badehaube betreten werden, es ist allerdings nur für Personen ab 16 reserviert!” Schmäh, oder? frage ich ganz erstaunt meine bessere Hälfte! “Ich hab dem Pool-Marschal eh gesagt, ich hole die Badehauben beim nächsten Mal, wenn ich mich aus der Ritterrüstung geschält und meine Pferde getränkt habe - aber der hat das nicht so witzig gefunden!” ...wir sind in Italien, im Jahr 2018. Statistisch duscht sich zumindest jeder 4. bevor er sich ins kühle Poolnass wirft (wahrscheinlich aber nicht die Haare), die Haarfarben sind mittlerweile poolwasserfest und färben den gechlorten Sud nicht rot, Läuse beschränken sich meistens auf kältere Zeiten und bevorzugen das Auftreten in Kindergärten und Schulen. Meine Badehauben-Assoziation beschränkt sich auf eine schwache Kindheitserinnerung in einem italienischen Bad, in intensiver Farbe mit Blüme geschmückt und hoch wie ein Turban, als Schmuckstück am Haupt einer distinguierten Dame in damals steinzeitlichem Alter...die Freude des Tragens unserer neuen Bademode lassen wir uns aber dennoch nicht trüben…..Fortsetzung folgt

 

Bele
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